14. Dezember 2018

AUF DER REISE: MAZEDONIEN 07


Blagodaram für
Willkommensgrüße, baked cheese,
Wandertouren mit atemberaubenden Ausblicken,
nette Menschen, Rakija,
Tabakfelder, das schönste Kloster der Welt,
Gespräche mit einem Mönch
Über Body, Soul and Spirit
Von Hunden.
*


Mazedonien, oder FYROM (Former Yugoslav Republic of Macedonia), ist ein wunderbares Land. Es heißt uns kurz nach der Grenze am Ohridsee so willkommen: mit einem kleinen Espresso Macchiato und einen Schnaps, einem Rakija. Überhaupt werde ich noch feststellen, dass der Rakija ein integraler Bestandteil jeder Mahlzeit in Mazedonien ist. Als Vorspeise gibt es einen Salat (und die Mazedonier haben hier eine Menge Auswahl, super für Vegetarier) und dazu einen Schnaps. Immer.

Lake Ohrid 
Kaffee und Rakija // Coffee and Rakija
Der Ohridsee ist so groß, dass er ein bisschen wie das Meer wirkt, nur die vielen Schilfpflanzen verraten seinen wahren Charakter. Nach dem albanischen Tag ist es schön zu wissen, dass wir in Mazedonien bleiben dürfen, so lange wir möchten. Camping Rino, unser erster Aufenthalt, ist klein und gemütlich und liegt direkt am See. Im kleinen, verrauchten Restaurant trinke ich Kaffee und plane die nächsten Tage – da kommt ein Typ, der offensichtlich zu den Stammgästen aus dem Ort gehört, auf Tyson zu und streckt ihm einen Handybildschirm vor die Nase. Da das Tyson wohl wenig interessiert und mich dafür mehr, schaue ich rüber. Ich sehe Menschen, die in einem Halbkreis stehen und einen großen, zähnefletschenden Hund, der sich mit aller Kraft in die kurze Leine stemmt, um zum großen, zähnefletschenden Hund gegenüber zu kommen. Hundekämpfe. Der Typ lacht und sagt so etwas wie: da muss dein Hund noch wachsen. Es ist aber tatsächlich kein Auslachen, oder gar eine Drohung. Er wollte nur seinen Zeitvertreib zeigen. Ich frage den Mitarbeiter des Campingplatzes: ist das hier legal? Nein, ist es nicht. Ich atme auf.

Die schwimmende Museumsinsel // The swimming museum island

Es ist Ende Oktober und mittlerweile sind die meisten Campingplätze geschlossen. Nach einem kurzen Stopp bei einem schwimmenden Museum, einem etwas längerem Stopp im Kassenhäuschen des Museums, wo ich von Alexander und seinen Kumpels Kaffee bekommen, Blätterteig und Honig probieren muss und Mazedonisch lerne, nach einem anschließenden Pizzaessen in Ohrid, stelle ich fest: es gibt keinen anderen offenen Campingplatz am Ohridsee. Das Angebot bei Alexander auf dem Parkplatz zu übernachten, lehne ich mehrfach und dankend ab. Also wieder zurück um den Ohridsee und zum Camping Rino, wo ich besorgt gefragt werde (ich hatte ja am Morgen ausgecheckt), ob alles okay sei. Dafür gibt es wieder Kaffee und Schnaps. Daran könnte ich mich als Willkommensgeste definitiv gewöhnen!

Auf dem Weg nach Bitola // On the way to Bitola

Bitola
Had a nice chat with this pumpkin vendor
Kürbisse // Pumpkins, oh pumpkins


Vorbei an bewaldeten Hügeln, die jetzt rote und orangefarbene Punkte haben, geht es nach Bitola. Das Wetter wird stürmischer und der Himmel ist dunkelgrau. Wieder kein Campingplatz weit und breit und es gibt nur ein Hostel in der Stadt. Netterweise darf ich hier meine Wäsche waschen, auch wenn diese nachher am Kamin aufgehängt wird und die nächsten Tage nach Rauch riecht. Bitola hat verfallene Häuser, Safari-Jeeps, ein türkisches Viertel, einen großen Markt unter freiem Himmel - mit den größten Lauchstangen, die ich je gesehen habe und mit freundlichen Kürbisstandbesitzern, die einem Kürbisse schenken – und tatsächlich Hipster Bars und Cafés. Wir bleiben ein paar Tage. Am vorletzten Tag, das Wetter ist wieder besser, möchte ich im Pelister Nationalpark einen Berg erklimmen. Der ansässige Bergführer Goce sagt, er gehe fast jeden Tag auf den Berg, wir verabreden uns für 2-3 Stunden Wandern. Am Ende sind es 7 Stunden. Und Tyson immer mittendrin, zwischen Goce und mir vor- und zurückspringend, den Berg hinaufrennend und nie ermüdend. Der Wahnsinn! Da Tyson aber manchmal nicht weiß, wann Schluss ist, trage ich ihn vorsichtshalber auf dem Rückweg eine Stunde. Danach ist es, als wären wir nie einen Meter gelaufen. Ja, wird denn der Hund – und an dieser Stelle möchte ich noch einmal betonen, dass es ein Chihuahua ist! – nie müde? Goce teilt mit mir Granatapfel, Äpfel und Zitronen (die schält er und lässt sie mich essen, gegen den Durst), da ich komischerweise für eine 7-Stunden-Wanderung nicht so richtig ausgerüstet war. Aber es lohnt sich! Der Blick vom Baba Mountain auf die umliegenden, weiß getünchten Bergspitzen, diese leicht verwaschene Sicht in die Ferne... da hängt man gerne noch ein paar Stunden mehr dran.







Und abends geht es gemeinsam in ein Restaurant, das leckeren baked cheese hat. Auch hier gibt es mehrere Varianten, alles ohne Fleisch. Danach schauen wir noch kurz auf einer Fahrraddemo vorbei, treffen Goces Schwester mit Freunden, die gerade eine Suppenküche für Bedürftige planen und plötzlich bin ich mittendrin im mazedonischen Leben, zwischen illegalen Hundekämpfen, mazedonischer Mafia auf der einen und links-intellektueller Hilfsbereitschaft auf der anderen Seite. So nah bin ich den Menschen in den anderen Ländern bisher nicht gekommen. In Bosnien vielleicht ein bisschen. Ich staune.

Prilep 

Nach Bitola geht es durch die Tabakgegend Prilep zum Zrze Kloster. Frisch renoviert ragt es über einen Felsvorsprung, die Fische haben einen Infinity-Teich, ein riesengroßer Baum spendet Schatten und der bis zum Horizont reichende klare Blick über die Ebene lässt alles so friedlich erscheinen. Ich zünde eine Kerze für meine Oma an, die Anfang des Jahres verstorben ist. Kurz darauf kommt ein Mönch, der mir meine Trauer ansieht und verwickelt mich in ein Gespräch. Er erzählt mir die Geschichte des Klosters, die Besonderheiten in der kleinen Kirche, das Wunder der vertauschten Heiligenbilder. Wir sprechen auch über Hunde und dass ein Mönch des Ordens einmal so eine enge Bindung zu seinem Hund hatte, dass er gesagt haben soll: wenn mein Hund nicht ins Jenseits kann, dann möchte ich auch nicht. Warum können Hunde nicht mit, frage ich und der Mönch sagt: we have a body, a soul and a spirit and although dogs have a body and a soul as well, they lack the spirit with which they could cross to the other side. Ich finde es irgendwie tröstlich, dass ich im wunderschönen Garten des Zrze Klosters mit einem Mönch über die Rolle der Hunde im Diesseits und Jenseits sprechen kann.






Auf zur Hauptstadt Skopje! Mazedonien ist besonders stolz auf zwei seiner Mitbürger, über die Herkunft des einen streiten sie heute noch mit Griechenland. Beide Mazedonier haben eine Autobahn bekommen: ich fahren auf der Mutter Teresa-Autobahn nach Skopje rein und werde später, Richtung Bulgarien, auf der Alexander der Große-Autobahn hinausfahren. Oder ist es andersherum?

Vor nicht allzu langer Zeit ist in Skopje der Verschönerungswahn ausgebrochen, und das heißt vor allem: viele viele Statuen. Überall stehen sie: bronzen, aus Stein, golden, manchmal sogar direkt hintereinander, obwohl sie nichts miteinander zu tun haben. Auf Brunnen, Hotelfassaden, in kleinen Straßenzügen, auf Brücken und vor Eingängen. Alexander der Große thront auf einem Pferd über dem großen Platz in der Stadt. Vor dem Gedenkhaus Mutter Teresas gibt es gleich zwei Mutter Teresa Statuen. Man fühlt sich geschrumpft in dieser Stadt mit diesen steinernen, unvergänglichen Riesen.




Alexander der Große // Alexander the Great


Der letzte Stopp in Mazedonien ist der Matka Canyon, auch hier hat der Herbst Einzug gehalten, die steinernen Wände, die über dem Fluss rauf in den Himmel ragen, sind grün, rot, gelb getupft. Tyson und ich laufen über eine Stunde die Felswände entlang, unten auf dem Fluss tuckern Touristenboote vorbei, hier und da gibt es Bänke, auf denen fleißig gepicknickt wird. Nachdem die Sonne dann doch schon beinahe untergeht, laufen wir wieder zurück und bevor wir zu unserem nächsten Ziel fahren, gibt es zur Stärkung Kichererbsen mit Himbeeren und dann, blagodaram für alles, tschüss Mazedonien.


Matka Canyon


Hallo, Bulgarien!



***
Blagodaram for
The nice welcome, for baked cheese,
Hiking tours with breathtaking views,
nice people and Rakija,
Tobacco fields and the most beautiful monastery in the world,
Conversations with a monk
About the body, soul and spirit
Of a dog.
*

Macedonia, or FYROM (Former Yugoslav Republic of Macedonia), is a wonderful country. Shortly after the border, right at the edge of Lake Ohrid, we are welcomed like this: with a small espresso macchiato and a schnapps, a Rakija. I will soon find out that Rakija is an integral part of every meal in Macedonia. For a starter you order a salad (and there is a great variety of Macedonian salads, great for vegetarians) and a schnapps. Always.

Lake Ohrid is so big that resembles the sea, only the many reeds betray its true character. After the one Albanian day it is nice to know that we can stay in Macedonia for as long as we like. Camping Rino, our first stay, is small and cozy and has a lakefront. In the small, smoky restaurant I drink coffee and plan the next day – suddenly a guy who obviously belongs to the regulars from the village comes over and puts his phone screen right in front of Tyson’s nose. Since Tyson is probably rather not interested but I am, I lean over. I see people standing in a semicircle and a big, angrily growling dog, leaning into his short leash with its strength to get to another big, angrily growling dog. A dog fight. The guy laughs and says something like: your dog has to grow. He says it very gently, not at all in a threatening kind of way. As if he never saw a dog that small. I ask the staff of the campsite: is this legal? No it is not. I am relieved.

It is the end of October and now most campsites are closed. After a quick stop at a floating museum, a longer stop in the museum's ticket booth, where I get coffee from Alexander and his buddies, where I have to try puff pastry and honey, where I learn Macedonian, after a pizza in the town of Ohrid, I realize that, indeed, all the campsites around Lake Ohrid are closed.  Alexander offers his parking lot as an alternative but I refuse several times, and shall I say politely. So I drive around half of Lake Ohrid in the night to go back to Camping Rino, where the staff is worried and asks (I had checked out in the morning) whether everything was okay. And sure enough, there comes the coffee and the schnapps. I could definitely get used to this sort of welcome gesture!

Past wooded hills with red and orange dots, we drive towards Bitola. The sky is a dark gray. Again there is no campsite and only one hostel in town. The staff is really nice as well and lets me wash my clothes. They do dry them next to the fireplace and so I have several items smelling like a smoked ham but that does not really matter, does it? Bitola has run-down houses, safari jeeps, a Turkish neighbourhood, a large open-air market - with the largest leeks I've ever seen and a friendly pumpkin stall owner who gives me a pumpkin for free - and hipster bars and cafes. We stay a few days. On the day before we leave, the weather is so good that I decide to go hiking up a mountain in the Pelister National Park. Goce, a guide who lives in Bitola, says he walks up the mountain almost every day so we arrange for a 2-3 hours hike. In the end, we hike for 7 hours. And Tyson is always in the middle, jumping back and forth between Goce and me, racing up the mountain without ever getting tired. It’s madness! But since Tyson sometimes doesn’t know when to stop, I carry him for an hour on our way back, just as a precaution. And after that it’s like he never even walked a mile on this day! Is this dog - and at this point I would like to emphasize once again that it is a chihuahua! – ever get tired? Goce shares his pomegranate, apples and lemons (he peels them and eats them, to quench the thirst) with me because strangely enough I was not properly equipped for a 7-hour hike. But it's totally worth it! The view from Baba Mountain onto the surrounding, whitewashed mountain peaks, this slightly washed-out view into the distance ... I don’t mind the extra couple of hours. In the evening we go to a restaurant together which has delicious baked cheese. Again, there are several variations and everything is without meat. Later we stop by a bicycle demonstration, we meet Goce's sister with her friends who are planning a soup kitchen for the needy and suddenly I am right in the middle of Macedonian life, between illegal dog fights, the Macedonian mafia on one side and left-wing intellectuals on the other. I think I was never so close to people in the other countries we visited so far. Maybe Bosnia came close. Nonetheless, I am amazed.

We leave Bitola and drive through along the tobacco fields of Prilep towards the Zrze monastery. Freshly renovated it towers on a rock ledge, the fish have an infinity pond, a huge tree provides shade and the clear view of the plain reaching to the horizon makes everything seem so peaceful. I light a candle for my grandmother, who died at the beginning of the year. Shortly thereafter, a monk leaves the monastery, sees me (and probably my grief) and engages me in a conversation. He tells me the history of the monastery, the peculiarities of the small church, the miracle of the images of saints. We also talk about dogs and that a monk of the order once had such a close bond with his dog that he is quoted to have said: if my dog ​​cannot go to the afterlife then I do not want to go either. Why are dogs not able to go to the afterlife, I ask, and the monk says, "We have a body, a soul and a spirit and although dogs have a body and a soul as well, without a spirit they cannot cross to the other side.” Somehow I find it comforting that standing in the beautiful garden of the Zrze Monastery I can talk to a monk about the role of dogs in this world and beyond.

Let’s go to the capital Skopje! Macedonia is particularly proud of two of its fellow citizens, although they still argue about the origin of one of them with Greece. Both Macedonians got a highway: I drive on the Mother Teresa highway to Skopje and will later, towards Bulgaria, use the Alexander the Great highway. Or is it the other way around?

Not so long ago, a frenzy for making everything more beautiful broke out in Skopje, and above all this means: many, many statues. They are everywhere. They are made out of bronze, stone, they shimmer golden, sometimes they stand right next to each other although they have nothing to do with each other. They stand, sit and ponder on fountains, hotel facades, in small streets, on bridges and in the front of building entrances. Alexander the Great sits on a horse over the big square in the city. There are two Mother Teresa statues in front of Mother Teresa's memorial house. I feel shrunken in this city full of immortal, stone giants.

The last stop in Macedonia is the Matka Canyon. Autumn has arrived here as well, the stone walls that rise above the river into the sky are spotted green, red and yellow. Tyson and I walk along the rock walls for over an hour, tourist boats are chugging past down in the river, and there are benches here and there to have a picnic. The sun is already setting and we walk back. But before we drive on to our next destination, I have a nice plate of chickpeas with raspberries and then, blagodaram for everything, bye bye Macedonia!

Hello, Bulgaria!

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